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Philosophischer Salon: Sind Utopien ideologisch?

11. Juli 2017
19:30bis22:30

Der philosophische Salon bietet einmal im Monat ein Forum für offene, zwanglose Diskussionen zu Fragestellungen aus allen Themenspektren der Philosophie. Dabei geht es uns nicht vorrangig um Interpretations- und Auslegungsfragen bezüglich historischer Texte, sondern vielmehr um Themen und Theorien, die für unsere konkrete gesellschaftliche und intellektuelle Situation von Relevanz und Interesse sind. Jede Sitzung wird mit einem Vortrag begonnen, an den sich nach etwa einer Stunde Dauer eine offene Diskussionsrunde anschließt. Wir freuen uns über alle Interessierten – unabhängig davon, ob ihr gerade erst eure Neugier an der Philosophie entdeckt, oder bereits länger im Metier seid. Der Eintritt ist frei.
Wer in Zukunft gerne selbst einen Vortrag halten möchte, kann vor Ort mit uns in Kontakt treten.

Dieses Mal: Sind Utopien ideologisch?

Ein Programm, das unter der Bezeichnung »utopisch« firmiert, gilt als unrealistisch, uneinlösbar, naiv und blauäugig – der Wunsch sei hier der Vater des Gedankens, statt das Realitätsprinzip. Der Begriff der »Utopie« wird also im Wesentlichen als diskreditiert angesehen. Von philosophischer Seite aus wurde vielfach versucht, Utopien nachzuweisen, sie seien allein schon aufgrund ihres Gegenstands als verfehlt und nicht als ernsthafte politische Gestaltungsprogramme aufzufassen. Nicht wenige dieser Zurückweisungen von Utopien lassen sich in zwei Klassen einteilen: Solche Kritiken, die Utopien als unwissenschaftlich ansehen und ideologiekritische Kritiken, die behaupten, dass sich Utopisten systematisch über die Wirklichkeit täuschen würden, ohne dies selbst zu erkennen.

Der Vortrag greift diese beiden Klassen von Utopiekritiken auf. In einem Prolog wird die Plausibilität der utopiekritischen Position diskutiert, ob Utopien wissenschaftlich auftreten könnten. Es folgt die Auseinandersetzung mit Adorno, Albert und Lyotard im ideologietheoretischen Hauptteil. Dabei wird gezeigt, dass Utopien zwar an einigen erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Problemen leiden, die Zurückweisung aufgrund ihres angeblichen unwissenschaftlichen oder ideologischen Charakters jedoch vorschnell ist und mitunter auf unhaltbaren Argumentationen basiert. Zur Rehabilitation in konstruktivem Aufgriff der diskutierten Probleme wird schließlich für eine undogmatische utopische Sozialtechnik im Sinne Otto Neuraths plädiert, die durch die Anbindung an einzelwissenschaftliche Erkenntnisse den utopiekritischen Vorwürfen entgeht, ohne ihres progressiven Charakters verlustig zu gehen.

Ausgewählte Literatur:

Adorno, T. W. (1966): Negative Dialektik. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Albert, H. (1991): Traktat über kritische Vernunft. 5. Auflage. Tübingen: Mohr Siebeck.
Horkheimer, M.; Adorno, T. W. (1944/2009): Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Frankfurt a.M.: Fischer.
Bloch, E.; Adorno, T. W. (1985): ‚Etwas fehlt … Über die Widersprüche der utopischen Sehnsucht. Ernst Bloch im Gespräch mit Theodor W. Adorno.‘ In: Bloch, E. (Hg.): Tendenz, Latenz, Utopie. Werkausgabe Ergänzungsband. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 350–367.
Lyotard, J.-F. (1979/2015): Das postmoderne Wissen. Ein Bericht. Wien: Passagen Verlag.

Posted in Termine im V6.


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