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Philosophischer Salon: Zur Beurteilung von Verschwörungstheorien

11. April 2017
19:30bis22:30

Philosophischer Salon: Zur Beurteilung von Verschwörungstheorien

Der philosophische Salon bietet einmal im Monat ein Forum für offene, zwanglose Diskussionen zu Fragestellungen aus allen Themenspektren der Philosophie. Dabei geht es uns nicht vorrangig um Interpretations- und Auslegungsfragen bezüglich historischer Texte, sondern vielmehr um Themen und Theorien, die für unsere konkrete gesellschaftliche und intellektuelle Situation von Relevanz und Interesse sind. Jede Sitzung wird mit einem Vortrag begonnen, an den sich nach etwa einer Stunde Dauer eine offene Diskussionsrunde anschließt. Wir freuen uns über alle Interessierten – unabhängig davon, ob ihr gerade erst eure Neugier an der Philosophie entdeckt, oder bereits länger im Metier seid. Der Eintritt ist frei.
Wer in Zukunft gerne selbst einen Vortrag halten möchte, kann vor Ort mit uns in Kontakt treten.

Dieses Mal: Zur Beurteilung von Verschwörungstheorien

Häufig wird der Begriff der „Verschwörungstheorie“ pejorativ verwendet und dient dazu, eine mögliche Erklärung für bestimmte soziale Phänomene von vornherein als unvernünftig zu disqualifizieren. Diese pejorative Verwendungsweise des Begriffs spielt nicht nur denjenigen Verschwörungstheoretikern in die Hände, die davon ausgehen, dass ihre ehrbare Suche nach Wahrheit systematisch von der Öffentlichkeit diskriminiert wird, sondern er ist auch selbst unvernünftig: Denn der Gegenstand einer Theorie allein entscheidet noch nicht darüber, ob es sich um eine gute oder eine schlechte Theorie handelt. Da wir über historisch gut belegte Verschwörungen wissen – man denke etwa an Catilina oder die Watergate-Affäre – wäre es auch überstürzt, jegliche Erklärung, die soziale Phänomene auf Verschwörungen zurückführt, für indiskutabel zu erachten. Der Begriff der „Verschwörungstheorie“ muss also partiell rehabilitiert werden, ohne dabei jeder aberwitzigen Theorie Tür und Tor zu öffnen.

Der Vortrag geht dabei von der allgemeinen wissenschaftstheoretischen Idee aus, dass wir noch vor der empirischen Überprüfung einer Theorie eine Qualifizierung dieser Theorie vornehmen können und müssen, denn es können nicht alle ungeprüften empirischen Theorien als gleichrangig erachtet werden. Zu diesem Zweck werden prima facie-Beurteilungskriterien diskutiert, die uns auch dann in die Lage versetzen, Verschwörungstheorien vernünftigerweise vorläufig als mehr oder weniger glaubwürdig zu qualifizieren und hierarchisieren, selbst wenn wir nicht in der Lage sind, ihre strenge empirische Überprüfung durchzuführen. Diese Kriterien sind die der Sparsamkeit und externen Kohärenz, der Alltagspsychologie, der asymmetrischen Skepsis und der Sicherheit einer Theorie. Der Gegenstand der abschließenden Debatte wird die Leistungsfähigkeit dieser Kriterien sein, mittels derer sich der Blick von der pauschalen Diskreditierung von Verschwörungstheorien generell auf die Glaubwürdigkeit der je einzelnen Verschwörungstheorie verschieben soll.

Ausgewählte Literatur:

Coady, David (2006): Conspirary Theories. The Philosophical Debate. Ashgate: Aldershot, Hampshire.

Hepfer, Karl (2015): Verschwörungstheorien. Eine philosophische Kritik der Unvernunft. transcript: Bielefeld.

Posted in ADH, Termine im V6.


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