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Philosophischer Salon: Soziale Erkenntnistheorie II. Ideologiekritik sozio-epistemischer Rahmenbedingungen

14. März 2017
19:30bis22:30

Der philosophische Salon bietet einmal im Monat ein Forum für offene, zwanglose Diskussionen zu Fragestellungen aus allen Themenspektren der Philosophie. Dabei geht es uns nicht vorrangig um Interpretations- und Auslegungsfragen bezüglich historischer Texte, sondern vielmehr um Themen und Theorien, die für unsere konkrete gesellschaftliche und intellektuelle Situation von Relevanz und Interesse sind. Jede Sitzung wird mit einem Vortrag begonnen, an den sich nach etwa einer Stunde Dauer eine offene Diskussionsrunde anschließt. Wir freuen uns über alle Interessierten – unabhängig davon, ob ihr gerade erst eure Neugier an der Philosophie entdeckt, oder bereits länger im Metier seid. Der Eintritt ist frei.

Wer in Zukunft gerne selbst einen Vortrag halten möchte, kann vor Ort mit uns in Kontakt treten.

Dieses Mal: Soziale Erkenntnistheorie II. Ideologiekritik sozio-epistemischer Rahmenbedingungen

Neben der im vorangegangenen Vortrag diskutierten Rechtfertigungsfrage nach den Möglichkeiten, das Vertrauen in bestimmte epistemische Autoritäten rational zu rechtfertigen, drängt das Phänomen epistemischer Autoritäten zudem Erklärungsfragen über den faktischen Umgang mit ihnen auf: Wie verfahren Akteure de facto mit der Adaption von Überzeugungen durch epistemische Autoritäten? Wenn anerkannt wird, dass wir den Großteil unserer Überzeugungen durch Adaption gewinnen, scheinen diese Erklärungsfragen sehr fruchtbar bis notwendig für die Klärung zu sein, weshalb Menschen denken, was sie denken – vor allem auch, um zu erklären, weshalb sie (unter bestimmten Umständen) systematisch verfehlte Überzeugungen haben.

Der Vortrag geht im Rahmen des soziologischen Paradigmas methodologisch-individualistischer Erklärungen davon aus, dass auch die Adaption verfehlter Überzeugungen erst einmal durch die Binnenrationalität der Akteure erklärt werden kann und soll: Unter bestimmten sozio-epistemischen Rahmenbedingungen ist es für Akteure rational, zweifelhafte Überzeugungen zu übernehmen und beizubehalten. Derartige Mechanismen sollen an zwei Beispielen illustriert werden: Erstens durch die von Boudon beschriebenen „Kommunikationseffekte“, die vor allem erklären sollen, welch ambivalente Rolle die etablierten Wissenschaften bei der sozialen Vermittlung von Wissen und eben auch der möglichen Forcierung der Adaption irriger Überzeugungen spielen können. Zweitens durch die von Baurmann durchgeführte Erklärung der Übernahme fundamentalistischer Überzeugungen durch Akteure unter bestimmten defizienten sozio-epistemischen Rahmenbedingungen. Abschließend werden die Fragen diskutiert, inwiefern derartige Ansätze zur Verbesserung ideologiekritischer Theorien dienen können und welche aufklärungstechnologischen Konsequenzen aus ihnen gezogen werden müssten, falls sie akzeptabel sind.

Literatur:

Baurmann, Michael/Betz, Gregor/Cramm, Rainer (2014): Meinungsdynamiken in fundamentalistischen Gruppen. Erklärungshypothesen auf der Basis von Simulationsmodellen, in: Analyse & Kritik, 36. Jg., Heft 1.

Baurmann, Michael (2007): Rational Fundamentalism? An explanatory model of fundamentalist belief. In: Episteme, Volume 4, Issue 2.

Boudon, Raymond (1988): Ideologie. Geschichte und Kritik eines Begriffs. Hamburg: Rowohlt.

Anmerkung I
Ab diesem Monat findet der Philosophische Salon stets am 2. Dienstag eines Monats statt.

Anmerkung II
Dieser Vortrag knüpft an den Vortrag „Soziale Erkenntnistheorie I. Vertrauen in epistemische Autoritäten“ vom 15. Februar an. Die Kenntnis des ersten Vortrags für den hier angekündigten ist zwar nicht obligat, aber sinnvoll. Wer den Besuch des Salons im Februar verpasst hat, kann sich den Vortrag hier anhören: https://www.youtube.com/watch?v=ZD5nMIkUiJw&t

Posted in ADH, Termine im V6.


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