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FAUD: Pariser Kommune (1871) und Aufstand in Kronstadt (1921)

18. März 2017
19:00bis22:00

Am: Samstag, den 18. März 2017
Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 19:30 Uhr
Ende: 22:00 Uhr
Eintritt: Frei – Spenden Willkommen

An diesem Abend wollen wir uns gleich mit zwei(!) historischen Ereignissen beschäftigen. Beide sind tief verwurzelt im Bewußtsein des radikalen Teils der Arbeiterbewegung. Der 18.03.2017 ist der 146. Jahrestag der Pariser Kommune und der 96. Jahrestag der Niederschlagung des Kronstädter Versuchs die Revolution vor den Bolschiwiki zu retten.
Gemeinsam haben sie vor allem das Datum, den 18. März.
Während am 18. März 1871 in Paris die Revolte beginnt, wird sie am 18. März 1921 in Kronstadt gerade blutig niedergeschlagen. Zynischer Weise feiern am Tag der Niederschlagung Kronstadts, die Anführer des blutigen Gemetzels in Moskau an reich gedeckten Tischen und mit zahlreichen revolutionären Sonntagsreden die Pariser Kommune. …

Paris:
Am 18. März 1871 beginnt eine Revolution die als „Pariser Kommune“ in die Geschichte eingehen sollte. Sie ist zum Teil Lehrstoff in der Schule, KommunistInnen aller Coleur beziehen sich auf sie ebenso wie viele AnarchistInnen und selbst Feministinnen. Was ist das faszinierende an dieser Revolution? Und welche Bedeutung hat dieses Ereignis für uns heute? Ein „Blick zurück nach vorne“ soll diesen und einigen anderen Fragen nachgehen und sie vielleicht sogar vorläufig beantworten.
Wir zeigen den Stummfilm (20 Min) La Commune:

Paris, 18. März 1871: Der Zorn grollt auf. Die Anfänge der Pariser Kommune laut Armand Guerra, einem der Pioniere des aktivistischen Films.

Nach der Kapitulation Frankreichs gegenüber den Preußen im Jahre 1870 und dem Niedergang des Second Empire (Zweites französisches Kaiserreich) wird Adolphe Thiers zum Oberhaupt der Exekutivgewalt der republikanischen Regierung ernannt. Die Pariser fühlen sich gedemütigt, der Volksaufstand steht unmittelbar bevor. Am 18. März 1871 bestellt Thiers General Lecomte zu sich, auf dass dieser die Kanonen von Montmartre einhole, die man erworben hatte, um die Hauptstadt zu verteidigen, und die von der Nationalgarde aufbewahrt wurden. Das Volk stellt sich den Truppen entgegen, dann verbrüdert es sich mit ihnen. Dies stellt den Beginn der Erhebung dar: Thiers flüchtet nach Versailles; die Generäle Lecomte und Thomas werden hingerichtet. Zehn Tage später wird die Pariser Kommune ausgerufen und mit ihr etabliert sich eine Art Selbstverwaltung, welche der Stadt vorsteht.

Nach der historischen Rekonstruktion geht der Film über zur Vorstellung ehemaliger Kommunarden und endet mit dem Kamerabild einer Banderole zum Ruhme der Kommune an der Mur des Fédérés (Mauer der Repressionsopfer). In wenigen Augenblicken dokumentarischen Charakters bestärkt Guerra sein Engagement als aktivistischer Filmemacher.

La Commune (Die Kommune) erinnert an die Revolutionsregierung, die am 10. August 1792 die französische Monarchie stürzte. Nach der Niederlage von Napoléon III. gegenüber den Preußen waren die Pariser zwar erleichtert aufgrund des Endes der Belagerung und der Lebensmittelknappheit, fühlten sich aber von der neu gewählten Nationalversammlung verraten, voll von Monarchisten und den Frieden favorisierend. Die Pariser hatten unter einer sehr harten Belagerung gelitten. Sie wollten nicht, dass die französischen Truppen die Kanonen von Paris einholten, und fürchteten, dass die Preußen, die in die Stadt eingedrungen waren, sich ihrer bemächtigen würden. Es begann eine Machtprobe zwischen Royalisten, Großbürgertum und konservativen Provinzbewohnern, die sich in Versailles zurückgezogen hatten und einen schnellen Frieden mit Deutschland wollten, auf der einen Seite und der schwer mitgenommenen Pariser Bevölkerung auf der anderen, die im Wesentlichen hervorgegangen war aus den Arbeitervierteln im Osten von Paris und mehrheitlich republikanisch eingestellt war.

Diese historische Rekonstruktion in La Commune wurde von den Archives françaises du film (französisches Filmarchiv) restauriert und ist einer der wenigen Filme, die von der Gesellschaft Le Cinéma du peuple (Kino des Volkes) produziert wurden, die von Henri Langlois (1914 – 1977) wiederentdeckt wurde. Diese Arbeitergenossenschaft für Filmproduktion wurde im Oktober 1913 von einer Gruppe Anarchisten gegründet und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das Elend des Proletariats darzustellen. Darüber hinaus liefert sie einen Vorgeschmack auf das aktivistische Kino, wie es später durch die „Groupe Octobre“ (Oktober-Gruppe) in den 30er-Jahren und von all den linksradikalen Filmkollektiven der späten 60er und 70er verkörpert wurde.

Noch im selben Jahr kontaktiert die Genossenschaft José Estivalis Cabo alias Armand Guerra (1886 – 1939), um ihm vorzuschlagen, Filme mit sozialem Charakter zu drehen. Mit der Unterstützung von Lucien Descaves (1861- 1949) beim Drehbuch sucht Armand Guerra sich für seinen zweiten Film ein symbolträchtiges Thema glühender Partisanen aus und dreht La Commune. Der Film rekonstruiert in statischen Einstellungen und mit abwechselnd Innen- und Außenaufnahmen das Ereignis, welches in Paris eine aufständische Phase von rund zwei Monaten ausgelöst hat.

Trotz der dokumentarischen Einstellungen am Ende, die ehemalige Kommunarden, die Mur des Fédérés und ein Fahnentuch mit der Aufschrift „Es lebe die Kommune“ zeigen, bleibt der Film dem aktivistischen Zweck des Cinéma du peuple fern genug. Ohne wirklich Partei zu ergreifen, „spricht die gewählte historische Episode sich nicht wirklich zu Gunsten der Aufständischen aus“, wie es Laurent Mannoni anmerkte.* Nichtsdestotrotz bezeichnet dieser Film, dem aufgrund des Krieges eine Fortsetzung verwehrt blieb, einen bedeutenden Schritt in der Filmgeschichte und lässt überdies vorausschauen auf das zukünftige Kino der Volksfront.

Der große Krieg setzte dem Cinéma du Peuple ein definitives Ende. Sie produzierten insgesamt ein Dutzend Dokumentar- und Spielfilme. Le Vieux docker (Der alte Hafenarbeiter), ein anderer Film von Armand Guerra, ist die letzte Produktion der Genossenschaft. Eine unvollständige Fassung wird in der Cinémathèque française (Französisches Filmarchiv) aufbewahrt.

* (wissenschaftlicher Leiter des Kulturerbes der Cinémathèque française), in „La persistance des images“, Verlag : La Cinémathèque Française, Paris, 1996.

Dieser Film wurde zur Verfügung gestellt von der CINEMATHEQUE FRANCAISE.

Kronstadt
Dieser zum Teil vergessene, zum Teil verleumdete Aufstand der Matrosen der russischen Kriegsmarine gegen die bolschewistische Regierung „Sowjet“-Russlands war ein letzter, verzweifelter Versuch die Revolution vom Februar 1917 zu retten. Unter dem Motto „Alle Macht den Räten – keine Macht der Partei“, standen sie gegen die autoritären Kommunisten auf. Die Forderungen der Matrosen nach Freilassung der gefangenen AnarchistInnen, linken SozialrevolutionärInnen und ArbeiterInnen und BäuerInnen die wegen Streiks und Hungerunruhen eingesperrt waren, die Forderungen nach Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit für alle revolutionären ArbeiterInnen und BäuerInnen jenseits der bolschwistischen Partei und die Forderungen nach freien Räten und selbstorganisierter Verwaltung der Betriebe und Verwaltung in Stadt und Land wurde von Lenin, Trotzki und Konsorten als „konterrevolutionär“ denunziert und mit nackter Gewalt, Terror und Propaganda bekämpft. Am Jahrestag des Beginns der Pariser Kommune feierten nicht nur die BolschewistInnen um Lenin in Moskau eben diese Pariser Kommune, sondern konnten sich auch klammheimlich an der endgültigen Niederlage des Kronstätteraufstandes erfreuen. Während sie feierten wurden die Marosen von Einheiten der sogenanten Roten Armee und der Tscheka verhaftet, gefoltert oder gleich Hingerichtet. Erst der „Blick zurück nach vorne“ holt die Beschäftigung mit diesen (und allen anderen Aufständen und Revolutionen „unserer“ Geschichte) aus den Elfenbeintürmen akademischer Betrachtung hinunter in unsere Viertel, Büroräume, Fabrikhallen und die Flure der Arbeitsämter,…. Geschichte wird gemacht – und wir schreiben gerade die unsere!

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Posted in Termine im V6.


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